Man fährt nichtsahnend auf der 5er-Straße. Urplötzlich, wie dahin gezaubert, taucht das nahezu tausendköpfige stille Volk am Straßenrand auf. Am frühen Morgen, wenn die Sonne hinter seinem Rücken steht, macht es einen mürrischen angriffslustigen Eindruck. Mittags erscheint es lebendig und farbenfroh, aber abends, wenn die Sonne sich im Westen verabschiedet, strahlt es so richtig fröhlich bunt. Der Wind wühlt in ihren Heufrisuren und lässt ihre Kleider rhythmisch wehen. Man könnte meinen, sie leben.
Reijo Kela setzte die torfköpfigen Figuren bei der 1988 in Suomus-
salmi aud der Wiese des Lassila-Hauses aufgeführten Produktion
'Ilmarin kynnös' das erste Mal ein. Ihren nächsten Auftritt bekamen
die Torfköpfe im Sommer 1994, als die Region Kainuu sich in Helsinki,
auf dem Senaatintori-Platz vorstellte.
Man hatte sicherheitshalber 1200 Figuren mit dabei, aber die Stufen
des Domes fassten nur knapp 700 von ihnen. Das stille Volk wurde
nachts aufgebaut. Es erregte zwei Tage lang grosse Aufmerksamkeit
und wurde landesweit berühmt. Über Nacht - genauso plötzlich wie
es aufgetaucht war - verschwand es wieder und wurde nach Suomus-
salmi zurück transportiert.
Im Juli 1994 bekam das stille Volk am Ufer Jalonuoma in Ämmänsaari
seinen dritten schweigsamen Auftritt, als Reijo Kela, Heikki Laitinen
und ihr Ensemble mit ihrer wagemutigen Performance Kauniit ja rohkeat, rantojen raukat, "die Schönen und Mutigen, die Armseligen",
grosses Aufsehen erregten.
Zu ihrem jetzigen Standort gelangte das stille Volk im Herbst 1994. Die Torfköpfe werden zweimal im Jahr aufgefrischt und neu eingekleidet; das Material der Köpfe bekommt man direkt von der Wiese, auf der sie stehen, und die Kleider aus Kleidersammlungen. Die Jugendwerkstatt Suomussalmi, die die Figuren aufgebaut und gekleidet hat, ist auch für ihre Instandhaltung verantwortlich.